SYPITTKEN / SYPITKI
SYPITTKEN
Die ersten Bewohner der Gegend um Sypittken waren die Jadwinger (auch Sudauer genannt). Es handelte sich um einen baltischen Stamm, der in den weit östlichen gelegenen Gebieten der Großen Masurischen Seen lebte, bis hin an die Moore der Biebrza und der heutigen Region um Suwalki (die auf Litauisch Sudovia heißt). Von der Existenz der frühen Bewohner um Sypittken zeugen archäologische Funde, die der deutsche Archäologe Carl Engel in den dreißiger Jahren des 20. Jhs. auf dem Gräberfeld der Jadwinger entdeckt hat, wozu u.a. ganz untypische Pferdegebisse gehören, die aus der Zeit der Völkerwanderung (4. – 6. Jh. der Neuzeit) stammen.
Infolge der langandauernden Kriege gegen den Ritterorden war die Bevölkerung der Jadwinger untergegangen. Erst im 15. Jh. begann der Ritteroden das Gebiet der heutigen Masuren zu besiedeln. Im Jahre 1483 verlieh der Komtur zu Rhein, George Ramug von Ramegk, dem Jacob Sypitka, dem Peter Kohut und dem Stank Osareck (oder auch Jeziorkow) 22,5 Hufen Land am Malkinenfluss nach Magdeburger Recht mit der Maßgabe anderthalb Militärdienste zu leisten. Das war der Beginn des Dorfes Sypittken.
Zwischen 1539 und 1563 wurde im Dorf eine Mühle errichtet. Im Jahre 1565 kam das Dorf Sypittken zur neugegründeten Pfarrei in Ebenfelde (heute Pisanica). Das Dorf war damals von Polen bewohnt, die aus Masowien gekommen und Protestanten waren. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich eine eigene masurische Identität heraus, die mit dem Protestantismus, dem masurischen Dialekt sowie dem preußischen Staat und der Monarchie der Hohenzollern fest verbunden war.
Der Ort Sypittken wurde von den Kriegen selbstverständlich nicht verschont. Während der schwedischen Belagerung hat Preußen die Schweden unterstützt, was 1656 zur Folge hatte, dass der Tatareneinfall unter Hetman Wincenty Gosiewski bis hierher vordrang. Der Ort Sypittken wurde, wie auch der ganze südliche Teil des Herzogtums Preußen, verwüstet. Das Dorf erholte sich zwar langsam wieder, wurde aber im 18. Jh., ähnlich wie ganz Masuren, von der Pest heimgesucht. Der preußische König, Friedrich Wilhelm I., führte 1717 die allgemeine Schulpflicht für Kinder ein. In Sypittken entstand die Schule im Jahre 1740.
In der 2. Hälfte des 19. Jhs. gelangte die Eisenbahn nach Masuren, jedoch die Hauptlinien der Eisenbahn umgingen den süd-östlichen Teil des Kreises Lyck. Zu Beginn des 20. Jhs. entstand der Plan zum Bau der Lycker Kleinbahn. Der erste Zug dieser Kleinbahn erreichte Sypittken am 23. Oktober 1913. Im illustrierten Reiseführer für das Preußische Masuren und das Ermland von Mieczysław Orłowicz können wir unter der Überschrift „Die Lycker Lokalbahnen“ lesen, dass Sypittken ein großes Dorf „mit einer großen Mühle ist, deren Damm das Wasser des Selmentsees aufstaut und die benachbarten Wiesen versumpfen lässt“.
Der 1. Weltkrieg brachte für Masuren heftige Kämpfe zwischen dem russischen und dem deutschen Militär mit sich. Das Dorf wurde schon in den ersten Wochen des Krieges von den zaristischen Soldaten eingenommen, und wechselte in den folgenden Monaten noch zweimal die Fronten. Schließlich wurden die Russen im Februar 1915 durch die Deutschen vertrieben. An den deutsch – russischen Krieg erinnert auch der Soldatenfriedhof an der Wegstrecke zwischen Sypittken und Makoscheyen (Makosieje), auf dem 91 deutsche und russische Soldaten ihre letzte Ruhe fanden. Bei der Volksabstimmung im Juli 1920, in der entschieden werden sollte, ob Masuren zu Polen oder zu Deutschland (Ostpreußen) gehören sollte, hatten 161 Einwohner für die Zugehörigkeit von Sypittken zu Preußen gestimmt. Für Polen hatte niemand optiert. Die Germanisierung verschärfte sich, nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten. Infolgedessen wurde auch der Name des Dorfes geändert. Aus Sypittken wurde im Jahre 1938 Vierbrücken. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs hatte das Dorf 262 Einwohner. Der 2. Weltkrieg erreichte Sypittken im Winter 1944/45. Im Januar 1945 wurden die Einwohner evakuiert, kurz danach rückte die Sowjetarmee ein, und am 28. Mai desselben Jahres übernahmen die Polen die Verwaltung des Dorfes. Sypittken gehörte von nun an zu einem anderen Staat.
Übrig geblieben sind Spuren aus der Vergangenheit. Die Kleinbahn hatte den Durchzug der Front im Jahre 1945 überstanden und verkehrte bis 1991 regelmäßig auf der ganzen Strecke. Seit 1993 dient sie nur noch touristischen Zwecken.
Das Historische Museum von Lyck besteht seit dem Jahre 2012. 2014 wurde es mit der Lycker Kleinbahn verbunden. Das Museum gibt zahlreiche Publikationen heraus, und im ehemaligen Bahnhofsgebäude der Kleinbahn werden Ausstellungen gezeigt, und es finden hier Veranstaltungen aus dem Bereich Kultur und Bildung satt. Durch seine Aktivitäten schafft das Museum einen Dialograhmen mit der Vergangenheit, der offen ist für das vielschichtige und allseitige kulturelle Erbe von Lyck und Masuren.
SYPITKI
The first inhabitants of the Sypitki area were the Yotvingians (also called the Sudovians), a tribe of Baltic origin who inhabited the area spreading from the eastern end of the Great Masurian Lakes to the Biebrza marshes and present-day Suwalszczyzna or Suwałki Region (whose name in Lithuanian is Sudovia). It is the archeological evidence that provides information about the ancient inhabitants of Sypitki and its environs, e.g. artefacts discovered by the German archaeologist Carl Engel in the 1930s in the Yotvingian cemetery, including an unusual horse bit from the pre-modern migration period (4th-6th centuries AD).
In the 13th and 14th centuries, as a result of protracted and tumultuous wars with the Teutonic Knights, the Yotvingian population ceased to exist. It was only in the 15th century that the Teutonic Knights initiated the process of settling present-day Masuria. In 1483, the Ryn commander, Jerzy Ramunga von Rameck, granted Jakub Sypitka, Piotr Rohut and Stańko Ozorek (or Jeziorek) 22.5 manses of land by the Małkiń Stream, as perMagdeburg law, against the provision of one-and-a-half man for military service. And marked the beginning of the village of Sypitki.
A mill was built in the village between 1539 and 1563. In 1565 Sypitki became part of the newly created parish in Pisanica. At the time, the village was inhabited by Polish people from Mazovia who were of Protestant denomination. Over the centuries, this population shaped its specific Masurian identity based on an attachment to Protestantism, the Masurian dialect, as well as the Prussian state and the Hohenzollern monarchy.
Sypitki was not spared from historical disasters. During the Swedish Deluge, Ducal Prussia supported the Swedes, which in 1656 unleashed upon the village a retaliatory invasion of the Tatars, led by Hetman Wincenty Gosiewski. Sypitki, just like the whole southern part of Ducal Prussia, was completely destroyed. The village managed to slowly recover from the devastation, but, at the beginning of the 18th century, Masuria was struck by the plague epidemic. In 1717, the king of Prussia, Frederick William I, introduced universal mandatory schooling for children. A school in Sypitki was established before 1740.
In the second half of the 19th century, a railway line reached Masuria; however, the main lines bypassed the south-eastern part of the Ełk poviat. At the beginning of the 20th century, a plan was developed to build the Ełk Narrow Gauge Railway (Lycker Kleinbahn). The first narrow-gauge train arrived in Sypitki on 23 October 1913. In an illustrated guide to Prussian Masuria and Warmia, published in 1923 and authored by Mieczysław Orłowicz, in the description of „Ełk local railways” we can read that Sypitki is a village “with a large water mill whose dam raises the waters of the Selmęt Lake and transforms the neighboring meadows into marshes.”
World War I in Masuria brought fierce German-Russian battles. The village was occupied by the Tsarist army in the very first weeks of the war, and in the following months it changed hands twice again. Eventually, the German army pushed the Russians out in February 1915. Along the road from Sypitki to the village of Makosieje, there is a war cemetery with the graves of 91 German and Russian soldiers, which serves as a reminder of the German-Russian skirmishes.
In the plebiscite of July 1920 that was to decide about Masuria becoming either part of Poland or part of Germany (East Prussia), 161 inhabitants of Sypitki voted for East Prussia. Not a single person voted for Poland. Germanization took on the strictest character after the National Socialists took power in Germany. As a result, the name of the village was changed and from 1938 on, it became known as Vierbrücken. Just before the outbreak of World War II, the village was inhabited by 262 people.
World War II reached Sypitki in the winter of 1944/45. In January 1945 the inhabitants of the village were evacuated. The Soviet army soon controlled the village, and on May 28 the same year, power in the Ełk poviat was consolidated by the Polish administration. And so the nationality of Sypitki changed.
Traces of the past remain to this very day. The Ełk Narrow Gauge Railway survived the passing through of the frontline in 1945; until 1991 it ran regularly along the entire route. Since 1993, it has been used solely for the purpose of tourism.
The Historical Museum in Ełk has been in operation since 2012. In 2014 it merged with the Ełk Narrow Gauge Railway. The museum runs publishing activities and exhibitions in the building of the narrow-gauge railway station, and cultural and educational events take place. Through its activities, the Museum creates a space for dialogue with the past, showcasing the rich multi-layered and multicultural heritage of Ełk and Masuria.
Muzeum Historyczne w Ełku (Historisches Museum in Lyck / Historical Museum in Ełk)
Wąski Tor 1 | 19-300 Ełk
+48 87 732 02 83
www.muzeum.elk.pl
sekretariat@muzeum.elk.pl
Wirtshaus von August Mattiszik / August Mattiszik’s inn
Mühle am Fluss Lega / Mill on the river Lega
Schulgebäude in Sypittken gegen Ende der 20-er Jahre des 20. Jh. / The school in Sypitki at the end of the 1920s
Strecke Lyck – Sypittken / Ełk-Sypitki route
SYPITTKEN / SYPITKI – ein Dorf in Polen in der Woiwodschaft Ermland – Masuren, Kreis Lyck, Gemeinde Kalinowo (Kalinowen) / a village in the administrative district of Gmina Kalinowo, within Ełk County, Warmian-Masurian Voivodeship, in northern Poland.
[Wikipedia]
53° 47’10’N 22° 34’24’E
BESCHREIBUNG DER AUF DEM FOTO GEKENNZEICHNETEN STELLEN
- Schulgebäude in Sypittken, erbaut in den 20-er Jahren des 20. Jhs.
- Mühe und Wohnhaus des Müllers von 1907 am Fluss Lega.
- Wirtshaus von August Mattiszik; Das Gebäude „spielte“ im Film „Sam pośród swoich“ (Allein unter den Seinen) von 1986 mit.
- Friedhof aus dem 1. Weltkrieg; hier liegen russische und deutsche Soldaten von 1914/15.
- Reste der Befestigungen von Oktober 1914. Stelle, an der die Kämpfe zwischen dem deutschen und dem russischen Militär ausgetragen wurden.
- Erdaufschüttung, auf der die Mühle gestanden hatte. Einer Legende zufolge soll hier einst eine Kirche gestanden haben,die eingefallen und untergegangen ist. Ort des Kampfes von 1915.
- Haltestalle der Lycker Kleinbahn.
DESCRIPTION OF PLACES MARKED ON THE PHOTO
- School in Sypitki built in the 1920s.
- The mill and the miller’s house from 1907 on the river Lega.
- August Mattiszik’s inn; the building „played” in the 1986 film “Sam pośród swoich”.
- World War I cemetery; the soldiers buried here are Russians and Germans who fell in 1914/15.
- The remains of the trenches from October 1914. Battlefield between German and Russian troops.
- Remnants of the water mill. A local legend has it that in this place there used to stand a church that collapsed and disappeared underground. The location of the 1915 fights.
- A stop of the Ełk Narrow Gauge Railway.